Periimplantitis ist eine Entzündung am Implantat mit fortschreitendem Knochenverlust
Periimplantitis lässt sich nicht zu Hause feststellen: Blutung, Rötung oder Schwellung am Implantat sind Warnzeichen und ein Anlass für eine zeitnahe Untersuchung, die Diagnose entsteht erst in der Praxis. Dort zählen vier Befunde zusammen: Blutung oder Eiteraustritt bei der Sondierung, eine Zunahme der Sondierungstiefe gegenüber früheren Werten und im Röntgenbild sichtbarer Knochenverlust. Fehlen Vorbefunde, gelten Sondierungstiefen ab 6 mm mit Blutung und ein Knochenniveau von 3 mm oder mehr unterhalb der Implantatschulter als Hinweis. Schmerzen zählen nicht zu den Kriterien.
Das Wichtigste in Kürze
- Nach den Kriterien von 2017 hat etwa jede vierte Person mit Implantaten eine Periimplantitis: 25,0 % der Patient:innen, 18,0 % der Implantate (Meta-Analyse 2025).
- Blutung auf Sondierung ist das Leitzeichen; ohne Vorbefunde gilt: Sondierungstiefe ≥ 6 mm plus Blutung plus Knochenniveau ≥ 3 mm.
- Unbehandelte Mukositis ging in einer 5-Jahres-Studie bei 43,9 % in eine Periimplantitis über, mit regelmäßiger Vorsorge bei 18,0 %.
- Die deutsche S3-Leitlinie (Stand Dezember 2022) empfiehlt nach einer Mukositis-Behandlung Nachkontrollen zum Beispiel alle 3 Monate.
Diese Kriterien sind die Grundlage, nach der ich jeden Befund am Implantat einordne. Nach dem Konsensbericht von Berglundh et al. (2018) ist periimplantäre Gesundheit durch das Fehlen von Rötung, Blutung auf Sondierung, Schwellung und Eiteraustritt gekennzeichnet; das wichtigste klinische Merkmal der periimplantären Mukositis ist Blutung bei vorsichtiger Sondierung. Periimplantitis ist dort als plaqueassoziierte Erkrankung beschrieben, bei der zur Entzündung der Schleimhaut ein fortschreitender Verlust des tragenden Knochens hinzukommt.
| Befund | Periimplantäre Gesundheit | Periimplantäre Mukositis | Periimplantitis |
|---|---|---|---|
| Klinische Entzündungszeichen (Rötung, Schwellung) | fehlen | vorhanden | vorhanden |
| Blutung auf Sondierung | nein | ja | ja |
| Eiteraustritt (Suppuration) | nein | nein | möglich; Fehlen schließt die Diagnose nicht aus |
| Zunahme der Sondierungstiefe gegenüber Vorwerten | nein | höchstens durch Schwellung | ja |
| Knochenverlust im Röntgenbild nach der Einheilphase | nein | nein | ja |
Die Tabelle, mit der ich Befunde in der Sprechstunde erkläre, folgt den diagnostischen Kriterien der S3-Leitlinie zur Behandlung periimplantärer Infektionen an Zahnimplantaten (AWMF-Registernummer 083-023, Stand Dezember 2022) von DGI und DGZMK, die Eiteraustritt als charakteristisches Merkmal einer Periimplantitis einordnet, sein Fehlen aber nicht als Ausschluss gelten lässt. Sie gilt bis Dezember 2027 und ist Stand 2026 maßgeblich.
Wie häufig das ist, hängt von der Definition ab. Derks und Tomasi (2015) errechneten aus 11 Studien eine gewichtete mittlere Prävalenz von 43 % für Mukositis und 22 % für Periimplantitis, bei einer Spannweite von 1 bis 47 % je nach Fallkriterium. Mit den einheitlichen Kriterien von 2017 fand die Meta-Analyse von Reis et al. (2025) über 20 Studien eine Periimplantitis bei 25,0 % der Patient:innen und 18,0 % der Implantate; bei Nichtraucher:innen waren 5,2 % der Implantate betroffen.
Welche Warnzeichen am Implantat sollten Sie abklären lassen?
Abklären lassen sollten Sie jede Blutung am Implantat, die beim Putzen oder von selbst wiederholt auftritt, jede neue Rötung oder Schwellung, jeden Eiteraustritt und jedes Implantat, das sich anders anfühlt oder beweglich wirkt. Schmerzen sind kein brauchbares Kriterium, weil sie in keiner Falldefinition vorkommen. Alle vier Zeichen gehören zeitnah in die zahnärztliche Untersuchung; wie dringend, ergibt sich aus dem Befund und den Begleitsymptomen, nicht aus dem Symptom allein.
Diese Reihenfolge hat einen Grund. Nach der Übersichtsarbeit von Schwarz et al. (2018) für den World Workshop kann eine Periimplantitis früh nach der Versorgung beginnen und schreitet mit zunehmender Geschwindigkeit fort; fortschreitender Knochenverlust ohne klinische Entzündungszeichen der Schleimhaut ist dagegen ein seltenes Ereignis.
Wann sinnvoll, und für wen ist das Risiko erhöht?
Besonders sinnvoll ist eine zügige Untersuchung, wenn zu einem Warnzeichen ein Risikofaktor kommt. Dieselbe Übersichtsarbeit fand starke Evidenz für ein erhöhtes Risiko bei Parodontitis in der Vorgeschichte, schlechter Plaquekontrolle und fehlender Nachsorge; für Rauchen und Diabetes war die Datenlage 2018 noch uneinheitlich. Die S3-Leitlinie nennt als sehr gut dokumentierte patientenbezogene Risikofaktoren Parodontalerkrankungen, schlechte Mundhygiene, eine erfolgte Strahlentherapie und unregelmäßige Kontrolluntersuchungen; als lokale Faktoren eine keratinisierte Mukosa unter 2 mm Breite, Zementreste und Kronen mit einem Emergenzwinkel von 30 Grad oder mehr.
Warum Nachsorge so viel ausmacht, zeigt eine Verlaufsstudie: Costa et al. (2012) beobachteten 80 Personen mit bestehender Mukositis über 5 Jahre; ohne vorbeugende Betreuung entwickelten 43,9 % eine Periimplantitis, mit regelmäßiger Betreuung 18,0 %. Die Mukositis ist damit das Fenster, in dem sich der Verlauf noch beeinflussen lässt.
Als Entscheidungskriterien reichen drei Fragen: Ist das Zeichen neu oder wiederkehrend? Kommt ein Risikofaktor hinzu? Liegt ein dokumentierter Vergleichsbefund vor? Die drei Fragen ordnen den Anlass ein; wie dringend gehandelt werden muss, ergibt sich aus dem Untersuchungsbefund. Ein typisches Szenario: Ein seit Jahren unauffälliges Implantat blutet plötzlich bei der Interdentalbürste, ohne Schmerz, ohne Schwellung. Die richtige Reaktion ist ein Untersuchungstermin mit Sondierung und Vergleich der Vorwerte; diese Messung lässt sich Stand 2026 nur in der Praxis vornehmen.
Wie läuft die Abklärung bei Verdacht auf Periimplantitis in der Praxis ab?
Die Abklärung folgt fünf Schritten: Gespräch über Beobachtungen und Verlauf, Inspektion und Abtasten des Implantatbereichs, Sondierung an mehreren Stellen mit Beurteilung von Blutung und Eiteraustritt, Vergleich der Sondierungstiefen mit dokumentierten Vorwerten und bei Verdacht eine Röntgenaufnahme. Am Ende steht eine der drei Einordnungen aus der Tabelle oben: gesund, Mukositis oder Periimplantitis.
Die Sondierung ist der Kern. Die S3-Leitlinie beschreibt, dass sich periimplantäre Infektionen durch einfache klinische Maßnahmen wie visuelle Inspektion, Palpation und periimplantäre Sondierung feststellen lassen, und dass für die Bewertung der Sondierungstiefen die Veränderung gegenüber früheren Messungen wichtiger ist als der Absolutwert. Ein Implantat mit 5 mm Sondierungstiefe kann gesund sein, wenn es seit der Eingliederung 5 mm waren; dieselben 5 mm sind auffällig, wenn vor zwei Jahren 3 mm dokumentiert wurden. Deshalb empfiehlt der Konsensbericht von 2018 ausdrücklich, nach Fertigstellung des implantatgetragenen Zahnersatzes Ausgangswerte für Röntgenbild und Sondierung zu erheben.
Die Röntgenaufnahme kommt bei Verdacht hinzu. Im Fachbeitrag der Zahnärztlichen Mitteilungen zur aktualisierten Leitlinie (2023) heißt es: Bei bestehendem Verdacht auf Periimplantitis sollte eine radiologische Untersuchung erfolgen und frühere Messungen der Sondierungstiefen sollten berücksichtigt werden; ein Anstieg der Sondierungstiefen in Verbindung mit positiver Blutung ist ein Hinweis auf Periimplantitis. Die Indikation für die Aufnahme ergibt sich aus dem klinischen Befund und den Vorwerten.
Wann überweise ich an Fachzahnärztin oder Facharzt?
Die S3-Leitlinie empfiehlt, insbesondere fortgeschrittene Läsionen frühzeitig einer chirurgischen Therapie zuzuführen, wenn das Behandlungsziel durch eine nichtchirurgische Therapie nicht erreicht werden kann. Dann arbeite ich mit Fachzahnärzt:innen für Oralchirurgie, Fachärzt:innen für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie oder auf Parodontologie spezialisierten Kolleg:innen zusammen.
Was kostet die Abklärung, und was übernimmt die Krankenkasse?
Die Kosten hängen vom Umfang ab. Rechtlicher Rahmen ist § 28 Abs. 2 SGB V: Implantologische Leistungen gehören nicht zur vertragszahnärztlichen Behandlung, es sei denn, es liegen seltene vom Gemeinsamen Bundesausschuss festzulegende Ausnahmeindikationen für besonders schwere Fälle vor. Ob und in welchem Umfang eine Krankenkasse Anteile der Behandlung übernimmt, hängt vom Befund, vom Leistungsumfang, vom Versicherungsstatus und von möglichen Ausnahmeindikationen ab und wird vor der Behandlung geklärt. Maßstab ist § 5 GOZ: Die Gebühr bemisst sich nach dem Einfachen bis Dreieinhalbfachen des Gebührensatzes, und der 2,3-fache Satz bildet die nach Schwierigkeit und Zeitaufwand durchschnittliche Leistung ab.
Die Bundeszahnärztekammer erläutert (Stand März 2026), dass gesetzlich Versicherte eine private Zahnarztrechnung erhalten, wenn sie eine Versorgung über die Regelversorgung hinaus wünschen, und dass der Gebührenfaktor Schwierigkeit und Zeitaufwand der Einzelleistung abbildet. Eine belastbare Euro-Spanne für die Periimplantitis-Behandlung gibt es deshalb nicht, weil Reinigung bei Mukositis, nichtchirurgische Therapie und chirurgischer Eingriff mit Knochenaufbau sich im Aufwand um ein Vielfaches unterscheiden. Verlangen Sie vor jeder Therapie einen schriftlichen Kostenplan mit GOZ-Positionen und Faktor.
Grenzen und Risiken: Warum reichen Schmerzen, Fotos und Selbstkontrolle nicht aus?
Selbstkontrolle erfasst nur die Oberfläche: Ein Foto zeigt Rötung oder Schwellung, aber keine Sondierungstiefe, keine Blutung auf Sondierung und keinen Knochen. Schmerz ist als Signal ungeeignet, weil er in den Falldefinitionen von 2017 nicht vorkommt; entscheidend sind Blutung, Sondierungstiefe und Röntgenbefund. Einzelbeobachtungen fehlt zudem der Vergleichswert, an dem die Diagnose hängt. Selbstbeobachtung ist deshalb Anlass für einen Termin, nie Ersatz dafür. Auch dieser Text ersetzt keine zahnärztliche Untersuchung und Beratung.
Das Risiko des Abwartens beschreibt die Leitlinie ohne Umschweife: Unbehandelt führt die Progression der Periimplantitis zum Implantatverlust, und nach einer Implantatentfernung nehmen die Implantatüberlebensraten in der zweiten oder dritten Therapierunde deutlich ab. Für den Einzelfall lässt sich daraus keine Prognose ableiten; das Risiko ist aber der Grund, warum ich Blutung am Implantat nie als Bagatelle behandle. Die Europäische Kommission ordnet das Problem ähnlich ein: In einer CORDIS-Forschungsinformation vom Februar 2026 heißt es, Periimplantitis sei nach wie vor eine der schwerwiegendsten Komplikationen in der modernen Zahnmedizin, von der weltweit bis zu 43 % der Zahnimplantate betroffen seien; dieser Höchstwert liegt deutlich über den Mittelwerten der Meta-Analysen.
Grenzen der Behandlung
Auch die Therapie hat Grenzen. Als Ziel der nichtchirurgischen Behandlung nennt der Fachbeitrag zur Leitlinie höchstens eine residuale Blutungsstelle je Implantat, fehlende Suppuration und Sondierungstiefen von höchstens 5 mm; wird das Ziel nicht erreicht, wird frühzeitig eine chirurgische Intervention empfohlen. Die Leitlinie selbst berichtet aus einer Vergleichsstudie, dass ein zusammengesetzter Behandlungserfolg (Sondierungstiefe ≤ 5 mm, keine Blutung, kein Knochenverlust ≥ 5 mm) je nach Verfahren nur bei 22 bis 33 % der behandelten Implantate erreicht wurde, und dass ein vollständiges Abklingen der Mukositis nicht bei allen Patient:innen vorhersehbar erreicht wurde.
Ob ein chirurgischer Eingriff in Frage kommt, hängt von Indikation und Kontraindikationen ab, die individuell geprüft werden. Für Patient:innen mit Diabetes mellitus und für Behandlungen unter Knochenantiresorptiva wie Bisphosphonaten verweist die S3-Leitlinie auf eigene S3-Leitlinien (AWMF-Registernummern 083-025 und 083-026); solche Konstellationen gehören in die Abstimmung zwischen Hauszahnärztin, Fachärzt:innen für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie und den Ärzt:innen der Grunderkrankung.
In welchen Situationen sollten Sie mit einem Implantat nicht abwarten?
Nicht abwarten sollten Sie in drei Situationen: bei wiederholter Blutung am Implantat beim Reinigen, bei einer neuen Schwellung oder Eiteraustritt und wenn bei einer Kontrolle veränderte Sondierungswerte auffallen. Keine dieser Situationen erlaubt eine Selbstdiagnose, jede rechtfertigt einen Untersuchungstermin. Die folgenden Beispiele zeigen, welche Konsequenz sich jeweils ergibt, und wann unsere Praxis nicht die richtige Adresse ist.
Beispiel 1: Blutung beim Reinigen, keine Schmerzen
Ein Implantat im Unterkiefer, seit sechs Jahren versorgt, blutet seit zwei Wochen bei der Interdentalbürste. Konsequenz: zeitnaher Untersuchungstermin mit Sondierung, Blutungsbeurteilung und Vergleich der Vorwerte. Ergibt sich eine Mukositis ohne Knochenverlust, folgen Reinigung, Anpassung der häuslichen Pflege und Nachkontrolle; der Fachbeitrag zur Leitlinie empfiehlt dafür regelmäßige Nachkontrollen im Abstand von drei Monaten, um frühzeitig einen Bedarf für eine Nachbehandlung zu erkennen.
Beispiel 2: Parodontitis-Vorgeschichte, Rauchen, neue Schwellung
Eine Patientin mit behandelter Parodontitis raucht und bemerkt eine Schwellung neben einem Implantat, das seit drei Jahren in Funktion ist. Die AO/AAP-Meta-Analyse von Galarraga-Vinueza et al. (2025) über 102 Studien mit 13.030 Patient:innen fand Periimplantitis bei 21 % der Patient:innen und benannte Parodontitis, Diabetes mellitus, Rauchen und Alkoholkonsum als Risikoindikatoren. Konsequenz: zeitnahe Untersuchung mit Sondierung; besteht danach der Verdacht auf Periimplantitis, folgt die radiologische Abklärung, und der Befund entscheidet über den weiteren Weg.
Beispiel 3: Veränderte Werte bei der Routinekontrolle
Ein Patient ohne Beschwerden kommt zur Kontrolle; an einem Implantat sind die Sondierungstiefen gegenüber dem Vorjahr gestiegen und es blutet. Genau das ist nach Renvert et al. (2018) das dritte Kriterium der Periimplantitis: zunehmende Sondierungstiefe im Vergleich zu den Werten nach Eingliederung des Zahnersatzes. Konsequenz: radiologische Abklärung und Vergleich mit dem Ausgangsbild; erst dieser Befund zeigt, ob und welche Behandlung nötig ist.
Für alle drei Situationen gilt dieselbe belegte Orientierung: Wiederholte Blutung, neue Schwellung, Eiteraustritt oder veränderte Kontrollwerte sind Anlass für eine zeitnahe zahnärztliche Untersuchung; der konkrete Befund aus Sondierung, Vorwertvergleich und bei Verdacht Röntgenaufnahme entscheidet über den weiteren Weg.
Was ist bei Verdacht auf Periimplantitis der nächste sinnvolle Schritt?
Der nächste Schritt ist ein Untersuchungstermin, bei dem Sondierung, Blutung auf Sondierung und bei Verdacht eine Röntgenaufnahme den Befund klären. Notieren Sie vorher, welches Implantat betroffen ist, was Sie beobachtet haben und seit wann, und fordern Sie frühere Kontrollbefunde mit Sondierungswerten an, falls Sie anderswo versorgt wurden. Im Zahnzentrum St. Georg in Hamburg vereinbaren Sie dafür einen Kontrolltermin; die Einordnung erfolgt ausschließlich anhand des Untersuchungsbefunds.
Diese Checkliste hilft Ihnen, das Beratungsgespräch vorzubereiten:
- Welches Implantat ist betroffen, und seit wann besteht die Veränderung (Blutung, Schwellung, Eiter, Beweglichkeit)?
- Liegen Ausgangsbefunde vor: Röntgenbild und Sondierungswerte nach Eingliederung des Zahnersatzes?
- Wann war die letzte professionelle Kontrolle, und in welchem Abstand fanden Kontrollen bisher statt?
- Gibt es Risikofaktoren: behandelte Parodontitis, Rauchen, Diabetes, Strahlentherapie, Bisphosphonate?
- Welche Entscheidung soll am Ende stehen: Nachkontrolle, Therapie oder Überweisung, und mit welchem Kostenplan?
FAQ: Häufige Fragen zu Periimplantitis
Kann ich Periimplantitis an Schmerzen erkennen?
Nein. Schmerz gehört nicht zu den Kriterien, mit denen Periimplantitis festgestellt wird; maßgeblich sind Blutung oder Eiteraustritt bei der Sondierung, eine Zunahme der Sondierungstiefe und Knochenverlust im Röntgenbild. Ein Implantat ohne Schmerzen kann deshalb bereits Knochen verlieren.
Ist Zahnfleischbluten am Implantat immer Periimplantitis?
Nein. Blutung bei vorsichtiger Sondierung ist das Hauptmerkmal der periimplantären Mukositis, bei der der Knochen noch nicht betroffen ist. Ob zusätzlich Knochen fehlt, zeigen erst der Vergleich der Sondierungstiefen mit den Vorwerten und bei Verdacht die Röntgenaufnahme.
Wie oft sollte ein Implantat kontrolliert werden?
Die europäische S3-Leitlinie der EFP (Herrera et al. 2023) fordert, dass nach der Belastung der Implantate ein strukturiertes Programm der unterstützenden periimplantären Betreuung mit regelmäßiger Beurteilung der periimplantären Gewebe eingerichtet wird. Nach einer behandelten Mukositis nennt die deutsche Leitlinie Nachkontrollen zum Beispiel alle 3 Monate.
Welche Unterlagen helfen bei der Implantatkontrolle?
Am wertvollsten sind die Ausgangsbefunde nach Eingliederung des Zahnersatzes, denn der Konsensbericht von 2018 empfiehlt genau diese Ausgangswerte für Röntgenbild und Sondierung als Vergleichsbasis. Dazu zählen frühere Kontrollbefunde mit dokumentierten Sondierungstiefen.
Stand September 2026 gilt damit: beobachten, notieren, messen lassen. Die Diagnose entsteht aus Sondierung, Vergleich und Röntgenbild.